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Das Instandhaltungszentrum im Fokus

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Während sich bei der sogenannten Forchterrasse und beim Bahnhofsareal auf der Forch noch viele Dinge in der Planungsphase befinden, scheint beim projektierten Instandhaltungszentrum der Forchbahn AG das Mitspracherecht klein. Wie ist da der Stand? Wie sehen die Einsprachemöglichkeiten aus?

Lorenz Steinmann

Die Forchbahn mit ihren 13 Kilometern eigener Strecke zwischen Zürich-Rehalp und Esslingen ist durch die gemeinsame Direktion und Betriebsführung eng mit den Verkehrsbetrieben der Stadt Zürich verbunden. Die Forchbahn, die als Aktiengesellschaft aufgestellt ist, gehört mehrheitlich dem Bund, dem Kanton und der Stadt Zürich. Die Gemeinden Egg, Zolli­kon, Zumikon, Küsnacht und Maur halten lediglich zwischen 2,1 und 6,8 Prozent der Besitzeinheiten. Der Verwaltungsrat besteht aus politischen Gründen mehrheitlich aus Vertreterinnen und Vertretern der beteiligen Gemeinden an der Strecke. Diese Infos sind entscheidend, um zu verstehen, wie Entscheide rund um die 1911 gegründete Bahn zustande kommen.

Ein Depot auf Gemeindeboden
Entscheide wie der aktuelle und intensiv diskutierte, ein neues sogenanntes Instandhaltungszentrum auf dem grünen Landspickel der Gemeinde Küsnacht zwischen der Kaltensteinstrasse beim Bahnhof Forch und der Forchautobahn zu bauen. Dafür sind gut 120 Millionen Franken budgetiert, fertig werden soll der Bau bis 2029.
Grund des Neubaus sind die Anfor­derungen, die sich aus der Instandhaltung der bestehenden und der neuen ­Zügen der Forchbahn ergeben. Für das wachsende Verkehrsaufkommen auf der Forchbahn-Strecke werden grössere Passagierkapazitäten benötigt und deshalb sollen über die gesamte Tageszeit längere Kompositionen im Einsatz stehen. 
Logisch ist, dass sie auch Niederflureinstiege bekommen sollen. Und: «Eine klare Rahmenbedingung ist, dass aufgrund der Länge der bedienten Haltestellen in der Stadt Zürich die maximale Zuglänge auf 75 Meter begrenzt ist», sagt dazu Marc Rizzi, Geschäftsführer der Forchbahn AG. Das 1969 erstellte Depot für den Fahrzeugunterhalt entspreche zudem nicht mehr den aktuellen sicherheits- und arbeitsrechtlichen Normen und Vorgaben. Der Platz für den Unterhalt der grösseren Anzahl an Fahrzeugen mit längeren Fahrzeugkonzepten reiche im bisherigen Depot nicht aus.

Langer Zug oder mehrere kürzere?
«Ein grosser Vorteil eines kompletten Neubaus ist dessen ideale Gleis- und Strassenanbindung. Die bestehende Anlage wird zu einer reinen Abstellanlage umgebaut», heisst es in den Unterlagen weiter. Ob es dereinst zusammengekoppelte Züge oder solche mit Einheitslänge 75 Meter geben wird, kann die Forchbahn «aus vergaberechtlichen Gründen» noch nicht bekannt geben. Aber: «Ohne Verzögerungen gehen wir aktuell davon aus, dass ab 2029 neue Fahrzeuge verkehren können», sagt Rizzi dazu auf Anfrage. Das neue Instandhaltungszentrum müsse auf die neu zu beschaffenden Fahrzeuge abgestimmt sein. «Gegenüber unserer alten Fahrzeuggeneration ergeben sich dabei massgebende Veränderungen wie zum Beispiel die Anordnung von mehr Komponenten im Dachbereich, was eine entsprechende Ausgestaltung einer Serviceanlage voraussetzt. Ebenso hält die bestehende Anlage die heutigen Anforderungen (etwa Gleisabstände) nicht ein und lässt den erforderlichen grösseren Unterhalt der neuen Fahrzeuge nicht zu», sagt Rizzi.

Wie die Rechtsmittel aussehen 
Doch wie sehen denn die rechtlichen Möglichkeiten der Bevölkerung aus, die bei weitem nicht restlos hinter dem Projekt steht? «Selbstverständlich werden bei der Realisierung die gesetzlich vorgegebenen Abläufe und Einsprachemöglichkeiten gewährleistet: Beim Instandhaltungszen­trum handelt es sich um eine Baute im öffentlichen Interesse gemäss Artikel 18 Eisenbahngesetz, die ganz oder überwiegend dem Bau und Betrieb einer Eisen­bahn dient», erklärt Rizzi. Diese dürfe nur mit Plangenehmigung durch das Bundesamt für Verkehr (BAV) erstellt werden. In diesem Verfahren seien eine amtliche Publikation sowie eine öffentliche Auflage und Aussteckung der Baute notwendig. «Gemeinden, natürliche oder juristische Personen sowie beschwerdeberechtigte Organisationen können während der 30 Tage dauernden öffentlichen Auflage Einsprache erheben (beim BAV, die Red.)», stellt Rizzi klar. Im gleichen Zeitraum müssten auch sämtliche enteignungsrechtlichen Einwände sowie Entschädigungsbegehren geltend gemacht werden.

So bringt sich die Gemeinde ein
Gauthier Rüegg (FDP) ist Küsnachter Gemeinderat und Ressortleiter Hochbau und Planung, der im Verwaltungsrat der Forchbahn AG Küsnacht vertritt. Rüegg sagt zu Einsprachemöglichkeiten: «Die Gemeinde Küsnacht ist in intensivem und engem Austausch mit der Forchbahn. Das Projekt Instandhaltungszentrum wird seit Beginn durch die Gemeinde begleitet und die Bedürfnisse und Anforderungen der Gemeinde werden in allen Planungs- und Projektierungsphasen eingebracht. Dass das neue Instandhaltungszentrum eine gewisse Grösse haben muss, ist selbsterklärend.» Die Gemeinde nehme jedoch Einfluss darauf, wie das Projekt ortsbaulich und landschaftlich eingebettet werde, welchen Beitrag das Projekt für das Leitbild Fokus Forch leisten könne oder wie die Erscheinung und Ausgestaltung des Gebäudes sein solle.

Forchbahn-Geschäftsführer Rizzi ergänzt: «Die Forchbahn ist sich bewusst, dass es sich um ein grösseres Bauvorhaben handelt. Der Umfang entspricht aber dem prognostizierten tatsächlichen Bedarf unter Berücksichtigung aller Einflussfaktoren – insbesondere des angestrebten Wachstums, aber auch von Entwicklungen wie Homeoffice oder Ähnlichem.» Er nimmt damit Bezug auf den markanten Bürotrakt mit dem Forchbahn-Logo, den man auf der Visualisierung gut erkennen kann. Dabei wolle die Forchbahn eine optimale Lösung für alle Beteiligten anstreben. «In einem kon­struktiven Prozess mit der Gemeinde konnte denn auch eine noch bessere Einbettung des Gebäudes in die Umgebung erreicht werden (Stichwort Fokus Forch)», ist Rizzi überzeugt. Dadurch entstehe je nach Perspektive eine sehr differenzierte Wahrnehmung der Gebäudehöhe.

Da scheint also schon viel festzustehen punkto Bauprojekt. Kritische Anwohnerinnen und Anwohner hingegen monieren, dass der Gemeinderat beziehungsweise die Gemeinde als Besitzerin des Grundstücks sehr wohl grossen Einfluss nehmen könne. Zudem sei ja durch Gau­thier Rüegg ein Gemeinderat im Verwaltungsrat der Forchbahn AG vertreten. Die Anwohnerschaft, die mittlerweile den Verein Zukunft Forch gegründet hat, ist überzeugt: «Die Gemeinde kann das gigan­tische Instandhaltungszentrum verhindern. Es existiert eine landschafts- und umweltverträgliche Alternative, welche im privaten Auftrag von Paul Stopper erarbeitet wurde. Paul Stopper, Bauingenieur und Verkehrsplaner, gilt als Vordenker des öffentlichen Verkehrs. Er war einer der geistigen Väter der Durchmesserlinie. Sein Alternativvorschlag wurde dem Gemeinderat präsentiert, aber von diesem ignoriert.» Der Verein Zukunft Forch findet zudem, dass die Kommunikation der Gemeinde nicht transparent sei. «Der ­Verdacht ist gross, dass die Gemeinde starken Einfluss auf die Meinungsbildung nimmt», so der Verein. 

Für Marc Rizzi ist die Alternative von Paul Stopper lediglich eine Ideenskizze. Er betont, dass das Instandhaltungszentrum in einer gesamtheitlichen Betrachtung im Leitbild Fokus Forch eingebettet worden, in einem qualitätssichernden Verfahren erstellt und als Vorprojekt im Detail ausgearbeitet worden sei. «Das Projekt gilt als zukunftsfähig und nach Abschluss des Überarbeitungsprozesses auch als breit auf die örtlichen Gegebenheiten abgestimmt. Die Projektierungen werden aber bis zur öffentlichen Auflage auch noch weiter vertieft», verspricht Rizzi. Danach könne es durchaus noch zu weiteren Anpassungen kommen. Somit ist das Projekt – Eisenbahnrecht hin oder her – noch keineswegs in Stein gemeisselt. Zumindest der Verein Zukunft Forch hat sich schon mal in Stellung gebracht.

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Fokus Forch aus Sicht des Küsnachter Gemeinderats
«Wir möchten das Areal in Wert setzen»

Neben dem oben vorgestellten projektierten Instandhaltungszentrum sind auch die Forchterrasse und das zu überbauende Bahnhofsareal ein grosses Thema, wobei deren Umsetzung sicher noch zehn Jahre oder mehr dauern könnten. Gemeinderat Gauthier Rüegg (FDP) gibt Auskunft.

Für Gauthier Rüegg, Küsnachts Ressortleiter Hochbau und Planung, ist klar: «Das Areal im Besitz der Gemeinde Küsnacht und der Forchbahn AG liegt in der Bauzone und ist hervorragend erschlossen sowie zentral. Die Forchterrasse hat eine Fläche von rund 14 200 Quadratmetern und ist geprägt von Erschliessungs- und Parkierungsflächen sowie temporären Bauten der Forchbahn AG. Die Gemeinde Küsnacht und die Forchbahn AG haben einen öffentlichen Auftrag und eine Verantwortung und möchten das Areal in Wert setzen.» Für die Forchterrasse, also das Gebiet oberhalb der Bahnlinie, sieht das Leitbild Fokus Forch «Wohnen mit grüner Mitte» vor. Von der Lage her ist es ein absolutes Filetstück, relativ ruhig gelegen und mit toller Aussicht. Laut Rüegg ist freilich noch offen, ob die Gemeinde selber baut oder es eine Public-private-Partnership gibt.
Zur Kritik privater Anrainer, ihre Anliegen seien trotz Mitwirkungsverfahren nicht genügend eingeflossen, findet Rüegg: «Die Gemeinde Küsnacht betonte zum Start des Mitwirkungsverfahrens, dass man ‹ergebnisoffen› sei. Dieses Versprechen wurde auch eingehalten. Dies darf auch von den Teilnehmenden eines Mitwirkungsverfahrens erwartet werden.» Eine Konsensbereitschaft sei Voraussetzung, um gemeinsam tragbare Lösungen erarbeiten zu können. Und: Das historische Bauernhofgebäude solle bestehen bleiben und in die Entwicklung eingebunden werden. «Das ist der Konsens», so Rüegg. Ob die Pferdenutzung bleibe, sei noch unklar. «In den nächsten zehn Jahren sind keine baulichen Aktivitäten auf der Forchterrasse geplant, sodass der Pferdehof auch bestehen bleiben kann», verspricht Rüegg. Frühestens ab 2030 würden die Bauten projektiert, erst Jahre später werde dann gebaut werden können. So sei auch der Zeithorizont für die Volksabstimmung noch unklar.

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Fokus Forch aus Sicht des Vereins Zukunft Forch
«Wir wollen kein Dienstleistungszentrum»

Eben wurde er gegründet, der Verein Zukunft Forch. Er besteht aus Vertretern der Bevölkerung auf der Forch und aus aktiven Teilnehmern an den Veranstal­tungen Fokus Forch. Er kämpft gegen alle Überbauungspläne auf der Forch.

Es sind diverse Bewohner der Forch, die sich gegen die Baupläne rund um den Bahnhof Forch und vor allem gegen die möglichen Wohnbauten auf der Forch­terrasse wehren. Die Forch, das ist der durchaus peripher gelegene Ortsteil der Gemeinde Küsnacht. Doch so richtig konkret will der Verein Zukunft Forch nicht werden auf die Frage, was man gegen dieses Projekt habe. «Der Einbezug der örtlichen Bevölkerung an der Leitbildentwicklung ist grundsätzlich positiv. Leider wurden wichtige Anliegen der deutlichen Mehrheit im Ergebnis übergangen.» So sei ein Dienstleistungszentrum kein Bedürfnis der lokalen Bevölkerung, «weil es bereits viele Möglichkeiten in den umliegenden Gemeinden gibt. Ein weiterer Ausbau ist nicht nötig», ist der Verein überzeugt. Und: Das Ortsbild Krone mit dem neu von der Gemeinde erworbenen historische Wohngebäude und der dahinter liegenden Scheune müsse zwingend dazugehören und in seiner jetzigen Erscheinung restauriert werden, so der Verein weiter. Das Ensemble müsse als historisch prägender Dorfmittelpunkt erhalten bleiben.
Zur Forchterrasse heisst es: «Die überwiegende Mehrheit der Workshopteilnehmer stimmte in einer Konsultativabstimmung gegen eine Überbauung des Gebietes Terrasse und für eine Renaturieren des gesamten Gebietes sowie den Erhalt des geschützten historischen Bauernhofes. Die Pforte zum Weiler Forch soll sich ländlich geprägt und nicht urbanisiert zeigen.» Für das einst zusammenhängende, schützenswerte, historische Ortsbild auf der Forch brauche der repräsentative Wohnteil einen gewissen Freiraum, um seine Wirkung entfalten zu können. «Neben dem Garten ist zusätzlich der alte Baumbestand (Tannen im Westen, Platane im Süden, Linde im Osten) zu schützen», fordert der Verein. Für ihn handelt der Gemeinderat «nicht im Sinne der Bevölkerung. Er verfolgt unseres Erachtens eigene, nicht nachvollziehbare Ziele.»