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Gewerbeverein sucht neuen Präsidenten

Erstellt von Tobias Stepinski |
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Ein Jahr voller Veränderungen, neue Projekte und die Suche nach einer neuen Führung. Doch bevor der Vorstand des Gewerbevereins Herrlibergdas Jahr 2024 Revue passieren liess und in die Zukunft blickte, sorgte ein ehemaliger Eishockeyprofi für nachdenkliche Stille im Saal der Vogtei.

«Und dann sah ich schwarz», sagt Kevin Lötscher und erinnert sich an den Moment, der sein Leben für immer veränderte. Als vielversprechendes Eishockeytalent stand ihm eine grosse Karriere ­bevor – bis zum 14. Mai 2011. Im Saal der Vogtei in Herrliberg, wo sich rund 60 Personen zur Generalversammlung des Gewerbevereins Herrliberg versammelt haben, hören die Anwesenden dem Gast gespannt zu.

An jenem Tag wurde er in Siders von einem Auto angefahren. Die Fahrerin, eine damals 19-jährige Frau, hatte 1,56 Promille Alkohol im Blut. Nach Wochen im Koma kämpfte sich Lötscher zurück – doch aufs Eis kehrte er nie mehr wirklich zurück. «Ich war im Kopf einfach zu langsam für diesen schnellen Sport», erzählt er. Heute setzt er sich für mentale Gesundheit ein. «Mit dem Auto gehen wir in den Service und unser Fahrrad lassen wir reparieren – aber wie sieht es mit der mentalen Gesundheit aus?»

Kein Geld vom Gewerbeverein

Lötscher gründete daraufhin SORGHA, eine Anlaufstelle für mentale Gesundheit. Am Ende seiner Rede gibt der Ex-Profi den Zuhörern und Zuhörerinnen noch eine Botschaft mit auf den Weg: «Häbt euch Sorg, du bisch de Spielmacher.»

Nach diesen emotionalen, aber auch ermutigenden Worten kehrte die Versammlung  zu den Themen des Gewerbevereins Herrliberg zurück. Obwohl der Frühling langsam Einzug hält, stand zu Beginn der Generalversammlung ein winterliches Thema im Mittelpunkt: die Weihnachtsbeleuchtung. Yvonne Bont, Gemeinderätin und Beisitzerin im Vorstand des Gewerbevereins, überbrachte eine ­unverbindliche Anfrage der Gemeinde. Sollte sich der Gewerbeverein finanziell an einer neuen Weihnachtsbeleuchtung beteiligen? Die alte ist in die Jahre gekommen und muss ersetzt werden.

Nach einer kurzen Diskussion entschied sich der Gewerbeverein letztlich dagegen. «Zu wenig sichtbar, dass auch der Gewerbeverein dahintersteht», war die überwiegende Einschätzung der Mitglieder.

Weiterhin ohne Präsident

Finanzier David Binkert präsentierte die Rechnung von 2024. «Wir sind finanziell gut durch das Jahr gekommen», sagte er. Am Ende stand ein überschaubares Defizit von rund 1500 Franken. Vizepräsidentin Manuela Wahlen liess das Vereinsjahr noch einmal Revue passieren: «Es war ein spannendes Jahr. Wir haben Altes losgelassen und neue Projekte ins Leben gerufen. Der Zusammenhalt unter den Mitgliedern ist gewachsen: Man hat sich ­wieder häufiger getroffen, mehr bewegt, mehr erlebt.»

Ein zentrales Thema für das kommende Jahr war und bleibt die Suche nach einer neuen Präsidentin oder einem neuen Präsidenten. «Das ist eine Herausforderung, aber wir bleiben dran.» Gleichzeitig betonte sie ein weiteres Projekt für 2025: die neue Website. «Unsere Website ist derzeit kompliziert, unübersichtlich und schwer zu bedienen. Viele Mitglieder des Vereins wünschen sich eine Verbesserung», ist Vizepräsidentin Wahlen überzeugt.

Zeitung sucht Nachfolge

Ein weiteres Thema war die Zukunft der Gewerbezeitung «Grüezi Herrliberg». Zehn Jahre lang war Philippe Chevroulet für die Zeitung verantwortlich, doch nun gibt er sein Amt ab. «Ich begleite noch die erste Ausgabe 2026, dann hoffe ich, dass eine Nachfolge – idealerweise aus der Gemeinde – gefunden wird.» Chevroulet erinnerte an die Bedeutung der Zeitung für das Gewerbe, weil die Zeitung in mehrere tausend Herrliberger Briefkästen lande.

Zum Abschluss verabschiedete Vizepräsidentin Manuela Wahlen die Mitglieder mit einem Lächeln: «Ich freue mich auf ein weiteres spannendes Jahr mit euch – en Guetä.»