Im Rahmen eines Wettbewerbs riefen die Zürcher Mittelschulen Schülerinnen und Schüler dazu auf, sich kreative Gedanken zum Thema «Zwischenstunde» zu machen. 131 Beiträge in Form von Zeichnungen, Fotografien und Texten sind eingegangen, 15 davon wurden prämiert.
«Woran denkst du, wenn du ‹Zwischenstunde› hörst?» Das war die Leitfrage des Kreativ-Wettbewerbs «Zwischenstunde», welcher an Schülerinnen und Schüler aller staatlichen Mittelschulen gerichtet war. In 131 Beiträgen gaben die Jugendlichen Antwort – sie haben gezeichnet, geschrieben, gereimt, fotografiert und das Thema vielseitig, lebendig und bunt bearbeitet. In je drei Alterskategorien wurden sechs Text- und neun Bildbeiträge – Zeichnungen, Collagen und Fotografien – prämiert, sechs davon kamen aus der Stadt Zürich.
Zeichnen als Leidenschaft
«Beim Thema ‹Zwischenstunde› habe ich natürlich zuerst an die Schule gedacht», erzählt May Lisa Oehler von der Kantonsschule Zürich Nord, eine der Gewinnerinnen in der Kategorie «Bild». Auf ihrer Schwarz-Weiss-Zeichnung sieht man einen jungen Mann, der qualmend über ein Buch gebeugt ist. Umgeben ist er von Fabelwesen wie Drachen, Dinosauriern, von einer wilden See, Meeresgetieren und einer schwarzen Katze. «Der Junge ist in der Zwischenstunde», erklärt May Lisa Oehler ihr Werk. «Er blickt kurz von dem Buch auf, das er liest, und er verarbeitet, was er in den letzten Schulstunden für Informationen aufgenommen hat. Dafür sind Zwischenstunden da, um eine mentale Pause einzulegen. In der Zwischenstunde hat man auch Zeit für sich und seine Gedanken, also viel Zeit zum Tagträumen. Der Berg ist übrigens nicht irgendein Berg, sondern der Chimborazo nach der Illustration des Naturforschers Alexander von Humboldt.» Sie habe es cool gefunden, dass die Mittelschulen einen solchen Wettbewerb ausschreiben und habe spontan mitgemacht. «Ich zeichne schon, seit ich denken kann, und tue es immer noch. Das Zeichnen ist eine meiner ältesten und grössten Leidenschaften.» Für Stil und Perspektive habe sie sich leicht von ihrem Lieblingskünstler Yusuke Nakamura inspirieren lassen. «Ich fand, dass seine Art der Darstellung sehr passend ist.»
Sich mit anderen messen
Jessica Thalmann vom Realgymnasium Rämibühl hat mit ihrem Text «Stundenglas» die Jury überzeugt. Darin beschreibt sie das Zusammensein zweier junger Menschen auf einem Balkon im vierten Stock, umgeben vom Lärm der pulsierenden Stadt, aber doch einsam. Sie möchte mit ihm in Kontakt kommen, er jedoch ist abwesend und in seine eigene Welt versunken. Eine autobiografische Begebenheit? «Die Szene an sich ist frei erfunden, jedoch hat das Profil des jungen Mannes, das beschrieben wird, sehr Ähnlichkeiten mit dem meines Freundes», so Jessica Thalmann. «Ich habe es nicht absichtlich gemacht, ich nehme an, es liegt daran, dass ich den Text mitten in der Nacht geschrieben habe und er neben mir schlief. Es ist mir erst so richtig aufgefallen, als eine Freundin es durchgelesen hat und meinte, ich hätte über ihn geschrieben. Das andere, nicht Erfundene, ist dieses Gefühl, das vermutlich sehr viele kennen, wenn man nicht genau weiss, was zwischen zwei Menschen ist und die alltäglichsten Situationen plötzlich zu etwas Besonderem werden.»
Jessica Thalmann nimmt gerne an Wettbewerben teil. «In unserer Schule gibt es eine alljährliche Erzählnacht, bei der Schülerinnen und Schüler eigene Texte zu einem Thema oder – ähnlich wie bei diesem Wettbewerb – zu einem Wort einreichen können», erzählt sie. «Ich habe dort in den letzten Jahren immer mitgemacht, da ich extrem gerne schreibe und es mag, mich herauszufordern. Mein Deutschlehrer wusste das und hat mich auf diesen Wettbewerb aufmerksam gemacht. Ich fand es besonders interessant, da es diesmal nicht nur innerhalb der Schule war und somit die Voraussetzungen mit anderen Teilnehmenden und einer anderen Jury ganz andere waren.»
Die Mittelschulen sichtbar machen
Hinter dem Kreativ-Wettbewerb «Zwischenstunde» steht das Team der Zürcher Mittelschulen, eine Initiative der Schulleiterkonferenz des Kantons Zürich. Dieses gibt ein Online-Magazin heraus, in dem Geschichten aus den Mittelschulen erzählt werden, es organisiert jedes Jahr die Ausstellung prämierter Maturitätsarbeiten und gibt mit verschiedenen Kampagnen und Aktivitäten Einblick in die staatlichen Mittelschulen.
Die Jury für den Kreativ-Wettbewerb «Zwischenstunde» bestand aus Lehrpersonen, Journalistinnen, Fotografen und Gestaltern. Neben den beiden erwähnten Preisträgerinnen haben auch die folgenden Stadtzürcher Schülerinnen und Schüler einen Preis gewonnen, den sie aus verschiedenen Angeboten aussuchen konnten: Zosia Lyczak von der Kantonsschule Zürich Nord mit einer Fotoserie, Ramon Mäder vom Realgymnasium Rämibühl mit einer Zeichnung, Boris Haase von der Kantonsschule Enge mit einer Fotoserie und Gian Kleeb vom MNG Rämibühl mit einem «Zwischipedia»-Eintrag. Alle 131 eingereichten Beiträge sind auf www.zwischenstunde.ch veröffentlicht.